News | 07.12.15 #Turing

„Unknackbares“ Turing-Phone verschiebt sich aufs Frühjahr

Es soll unhackbar sein, unzerbrechlich, und wasserdicht – und es kommt zu spät. Das Turing-Phone, im Juli für den 18. Dezember angekündigt, verschiebt sich auf das Ende des 1. Quartals des kommenden Jahres, also auf Ende März 2016. Der Hersteller Turing Robotic Industries (TRI) versucht die Enttäuschung der Vorbesteller wieder gut zu machen: Deren Bestellung wird in Sachen Arbeitsspeicher aufgestockt (von 16GB auf 64GB, von 64 GB auf 128GB, und von 128 GB auf eine Sonderedition),oder sie kriegen den Kaufpreis voll erstattet, wenn sie nun aussteigen.

Wer neu vorbestellen will, muss warten: die Bestellseite bietet derzeit nur die Möglichkeit, sich von TRI via Mail informieren zu lassen, wann die nächste Charge an den Start geht. Die bisherigen Preise liegen bei 610 $ für 16 GB Speicher, 740 $ für 64 GB, und 870 $ für 128 GB.

Sprödes Liquid Metal

Die Chassis des Turing-Phone ist aus so genanntem Liquid Morphium. Dabei handelt es sich um Metallisches Glas. Das ist, wie Felix Knoke von engadget.com anmerkt, zwar härter, korrosionsbeständiger und fester als gewöhnliche Metalle; geringe Krafteinwirkungen federt dieses Material ab, weshalb es auch für Golfschläger eingesetzt wird. Gleichzeitig ist es aber spröder als normale Metalle, das heißt, wenn es kaputt geht, verbiegt es sich nicht, sondern zerspringt schlagartig. Joshua Vergara von androidauthority blieb sein Testmodell jedoch erhalten, als er es zu Boden fallen ließ.

Das Display aus Corning Gorilla Glass IV ist, anders als die Plastikschichten beim Moto X Force, zerbrechlich. Allerdings ist es bei Weitem nicht so empfindlich wie Gorilla Glass III, wie Techbreak in einem Test demonstriert.

Wasserdicht soll das Smartphone durch Nano-Coating werden, also durch einen Überzug aus einer äußerst dünnen, wasserabweisenden Schicht. Sie ist auch im Inneren aufgetragen, so dass das Smartphone auch gegen eindringendes Wasser geschützt ist. Bis zu 30 Meter tief soll dieser Schutz halten. Wie sich die Nanoschicht auf die Wärmeentwicklung des Gerätes auswirkt, ist noch offen.

Geschlossenes System und offene Fragen

Das Turing-Phone soll softwareseitig nicht nur sicher, sondern „ultra-sicher“ sein. So hat das Gerät weder einen Kopfhörereingang noch einen USB-Port, weil diese mögliche Angriffsflächen für Hackerattacken sind. Daten sollen ausschließlich kabellos auf das Gerät gelangen, aufgeladen wird mit einem Magnetstecker ähnlich dem aus der MacBook-Reihe.

Die meisten Haupt-Apps auf dem Gerät unterstützen Ende-zu-Ende-Verschlüsselung. TIR arbeitet gerade daran, den Google Play Store zu integrieren. Das Gerät wird Android 5.1 Lollipop betrieben, genauer gesagt von einer gemoddeten Version namens Aemaeth UI. Derzeit arbeitet TRI noch an diesem Betriebssystem, weshalb wenig darüber bekannt ist.

Völlig unbekannt ist, was es mit dem Turing Imitation Key™ USB Key Krypto TIK8215 auf sich hat, der der Packung beiliegen soll.

Über die Sicherheitsvorkehrungen des Gerätes weiß man aber zumindest: Es gibt einen Fingerabdrucksensor, und man muss sich zur ersten Anmeldung ein persönliches Kennwort erstellen lassen. Dafür nutzt TRI ein Massterpasswort – und behält es danach. Man muss also dem Unternehmen wenigstens ein Stück weit vertrauen. An der Vertrauenswürdigkeit von TRI erhebt Knoke von engadget jedoch Zweifel. Er macht auf eine Frage eines Facebook-Nutzers aufmerksam, der wissen wollte, ob die US-amerikanische Regierung ein verschlüsseltes Handy nicht verbieten würde. Die Antwort von TRI: „Nicht, wenn du mit ihnen kooperierst.“

Spezifikationen

Das Turing Phone verbirgt hinter einem 5,5-Zoll- oder 14-Zentimeter-Display mit einer Auflösung von 1080p einen 2,5 Ghz Quadcore Snapdragon 801 mit 3 GB RAM. Die rückwärtige Kamera hat 13 Megapixel, die zum Betrachter hin 8. Für Konnektivität sorgt Unterstützung für 4G LTE, Wi-Fi 802.11ac, Bluetooth 4.0 LE, Nahfeldkommunikation, GPS und sogar für die russische GPS-Alternative Glonass.

Die 3000-mAh-Batterie lässt sich nicht herausnehmen. Dafür sollen die übrigen Teile gut zugänglich sein.

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