Magazin | 03.07.15 #gps #glonass

Was ist Glonass

Die Standortbestimmungen mittels Satelliten stoßen immer wieder an ihre Grenzen. So etwa bei Schluchten oder sehr engen Tälern. Doch das altbekannte GPS hat nun Konkurrenz bekommen. Mit dem Glonass-System, einer russischen Entwicklung, steht die erste Alternative zu GPS bereit. Den Ursprung hat Glonass - wie auch das amerikanische GPS - in der militärischen Nutzung. Schon 2006 wurden erste Pläne der Russen bekannt, dass Glonass auch für die zivile Bevölkerung zur Verfügung stehen könnte. Fünf Jahre später - im Jahr 2011 - der Durchbruch. Glonass steht heute schon für zahlreiche Tablets und Smartphones zur Verfügung und ermöglicht eine Ortsbestimmung auf bis zu 10 Meter. Und auch wenn das russische System bereits für zahlreiche Endgeräte zur Verfügung steht, ist es noch immer unbekannt; die gleichzeitige Aktivierung von Glonass und GPS ermöglicht jedoch eine perfekte Standortbestimmung.

Keine Werbung, keine Hinweise - der Glonass-Chip ist dennoch in zahlreichen Endgeräten verfügbar

Im Regelfall spricht man von GPS und GPS-fähigen Geräten. Der Nutzer meint damit die Standortbestimmung via Satellit. Doch das - aus den USA stammende - "Global Positioning System" hat Konkurrenz bekommen. Neben Beidou, der chinesischen Alternative, gibt es auch Glonass, das bereits seit dem Jahr 2011 im Vollbetrieb ist. Es gibt bereits zahlreiche Endgeräte am Markt, welche die Funktion unterstützen oder gar anbieten. So waren etwa das iPhone 4S, das Nokia Lumia 900 sowie das Motorola Rarz Maxx die ersten Geräte, welche auch Glonass-Signale empfangen konnten. Doch die Glonass-Chips werden nicht nur in die teuersten und modernsten Smartphones eingebaut; die Technik ist auch in Mittelklasse-Geräten zu finden. So wurde beispielsweise das Samsung Galaxy Ace 2 mit einem derartigen Chip ausgestattet.

Doch Shops oder Handy-Hersteller werben nur sehr selten bis gar nicht mit der amerikanischen GPS-Alternative. Und das, obwohl die Kombination die wahre Stärke mit sich bringt. Denn das Endgerät benötigt rund drei bis vier Satelliten, damit sein Standort bestimmt werden kann. Doch die Topografie sorgt oftmals dafür, dass der Standortbestimmung ein Strich durch die Rechnung gemacht wird. Wer GPS und Glonass aktiviert, ist sehr wohl "sichtbar". Bei Android-Smartphones findet man derartige Optionen unter dem Menüpunkt "Einstellungen" und "Standort". Das Problem ist jedoch, dass viele Smartphones - auch wenn ein Glonass-Empfänger vorhanden ist - keinen Unterschied zwischen dem amerikanischen und dem russischen Modell kennen. Denn wer etwa die "GPS"-Funktion nutzt, aktiviert gleichzeitig auch Glonass; jene Kombination kann etwa mit der App "AndroiTS GPS Test Free" kostenlos getestet werden. Die App ist im Playstore erhältlich. Mittels App werden die sichtbaren Satelliten in ihren länderspezifischen Flaggen dargestellt. Verwendet man etwa Garmin-Handhelds, kann der Empfang über den Punkt "Einstellungen" auf GPS eingeschränkt oder eine Kombination aus GPS und Glonass aktiviert werden. Tests haben gezeigt, dass die gleichzeitige Verwendung von GPS und Glonass dafür sorgt, dass die Standortbestimmung - selbst unter äußerst erschwerten Empfangsbedingungen - gegeben ist. Die Satellitensysteme haben einen deutlicheren Blick und können auf wenige Meter sagen, wo sich das Endgerät befindet.

Die Geschichte von Glonass

Glonass - das "Globalnaja nawizgazionnaja sputnikowaja sistema - welches auch als "Globales Satellitennavigationssystem" bezeichnet wird, wurde vorwiegend vom russischen Verteidigungsministerium genutzt. Betrieben und finanziert wird es von der Russischen Föderation. Die Funktionsweise und der Aufbau erinnern an das amerikanische NAVSTAR-GPS. Die Glonass-Konstellation der Satelliten trägt den Namen "Uragan" - Hurrikan. Auch in der technischen Umsetzung erinnert Glonass an das amerikanische GPS. Die unabhängige, jedoch parallele Entwicklung der Systeme, erfolgte auf militärstrategischen Gründen während des "Kalten Krieges" zwischen der damaligen Sowjetunion und den Vereinigten Staaten von Amerika. So begann die Entwicklung des russischen Systems bereits im Jahr 1972. Die ersten drei Satelliten wurden am 12. Oktober 1982 gestartet; das Glonass-System galt ab 24. September 1993 als betriebsbereit. 1996 erreichte man den Vollausbau; jener bestand aus insgesamt 21 Standard- sowie drei Reservesatelliten. Jedoch waren die Langlebigkeit der Satelliten nicht von langer Dauer; mit der Zeit büßten immer mehr Satelliten ihre Funktionsfähigkeit an. Glonass konnte - zumindest als eigenständiges Navigationssystem - nicht mehr genutzt werden.

Der russische Ministerpräsident Vladimir Putin ordnete am 12. September 2008 eine gänzliche Wiederherstellung des Systems an. Dafür wurden rund 67 Milliarden Rubel - das entspricht einer Summe von 1,8 Milliarden Euro - investiert. Am 5. Dezember 2010 gingen drei Satelliten verloren; ein klassischer Fehlstart. Doch es dauerte nur bis zum Jahr 2011, als ein vollständiges Glonass-System wieder eingeführt wurde. Einen weiteren Zwischenfall gab es jedoch am 2. Juli 2013. An diesem Tag stürzte eine weitere Proton-M-Rakete ab, welche drei Glonass-Satelliten zerstörte.

Ähnlich, aber doch nicht gleich

Glonass benötigt - wie die amerikanische Variante GPS - 24 funktionierende Satelliten, damit ein weltweiter Regelbetrieb möglich ist. GPS sowie Glonass arbeiten auf unterschiedlichen Frequenzbereichen; ein weiterer Unterschied ist die Technik, mit welcher die Signale der Satelliten auseinandergehalten werden können. Während bei GPS die Satelliten auf derselben Frequenz senden, jedoch eine unterschiedliche Kodierung aufweisen (Code-Multiplexing), nutzt Glonass hingegen das sogenannte Frequenz-Multiplexing. Dabei funkt jeder der aktiven Satelliten auf einer anderen Frequenz - die Kodierung ist jedoch ähnlich.

Gefällt mir nicht
0%