Magazin | 18.10.15

Android Root Zugriff: Vorteile und Nachteile

Es gibt zahlreiche Root-Anleitungen für Smartphones, die mit dem Android-System betrieben werden. Doch welche Vor- und Nachteile bestehen? Was bedeutet "Root" eigentlich? Verliert der Kunde tatsächlich seinen Anspruch auf Garantie oder Gewährleistung und sind die positiven Aspekte derart gewichtig, dass sich das Risiko eines "Hard-Bricks" lohnt?

Was bedeutet Root - Fachbegriffe im Überblick

Android ist ein Open-Source-System, welches auf dem Linux-Kernel basiert. Aus diesem Grund leiten sich Begriffe - wie etwa "Root" - aus dem Unix-Linux-Bereich ab. "Root" ist nichts anderes als ein User bzw. Nutzer oder Anwender, der keine eingeschränkte Schreib- sowie Zugriffsrechte auf das System hat und somit jederzeit auch heikle Einstellungen verändern kann. Die Kompetenz des "Rooters" kann mit dem Administrator bei Microsoft Windows-Users verglichen werden. Auch wenn im direkten Vergleich einige Unterschiede bestehen, bleibt jedoch das Prinzip ähnlich. Wir haben die Fachbegriffe noch einmal für euch zusammengefasst:

Root oder Superuser

Wie schon erwähnt handelt es sich bei Android um ein Linux basiertes Smartphone Betriebssystem. Der Begriff Root stammt aus dieser Linux Welt und beschreibt einen User mit uneingeschränkten Rechten (auch Superuser genannt).

Android ROM, Stock ROM und Custom ROM

Als ROM bezeichnet man die Android Firmware auf einem Smartphone. Insgesamt wird hier zwischen drei unterschiedlichen Typen unterschieden:

  • Android ROM
  • Stock ROM
  • Custom ROM

Die Android ROM ist die Standard Android Version von Google. Sie wird bei den Google hauseigenen Nexus Geräten mit ausgeliefert.

Als Stock ROM wird die Android Version bezeichnet, welche im Auslieferungszustand eines Smartphones vorinstalliert ist. Das muss jedoch nicht unbedingt eine Android ROM sein. Verschieden Hersteller, wie z. B. Smasung oder Sony, haben eigene Android Versionen entwickelt, welche sie auf ihren Geräten vorinstallieren. Bei Samsung ist das z. B. TouchWiz und bei Sony Sony UI.

Custom ROMs werden meist von unabhängigen Entwicklern erstellt. Da Android als Open-Scource-Projekt verfügbar ist, kann quasi jeder Entwickler mit den entsprechenden Kenntnissen eine Custom ROM erstellen.

Speicher flashen

Flashen bedeutet so viel wie überspielen. Wenn ein neues Android System auf ein Smartphone gespielt werden soll, muss der Speicher geflashed werden. Überspielt wird hierbei die Firmware (ROM), der Kernel oder eine Recovery des Android Systems.

Bootloader

Der Bootloader ist der Teil des Smartphones, welcher zuerst gestartet wird. Dieser ist dann seinerseits für das Starten des Betriebssystems Android zuständig.

Bootmodi - Recovery, Fastboot, Download Mode

Android kann in verschiedenen Modi gestartet werden. Diese Modi können beim Hochfahren des Betriebssystems durch, von Gerät zu Gerät unterschiedlichen, Tastenkombinationen ausgewählt werden. Man kann das mit dem abgesicherten Modus unter Windows vergleichen. Diesen kann man auswählen, wenn beim Start von Windows die Taste F8 gedrückt gehalten wird.

Unter Android werden diese Modi vor allem beim Rooten benötigt, um die entsprechende Software zu installieren.

Vorteile der Root-Rechte unter Android

Besitzt der Anwender sogenannte Root-Rechte, hat er die Möglichkeit, dass er System von Android auf seinem Gerät komplett verändern kann. Dazu zählt etwa nicht nur die Änderung der Systemsteuerung; mitunter kann auch die tiefgreifende Oberflächen-Modifikation komplett verändert werden. Mittels Root-Zugriff ist es auch möglich, dass die maximale Lautstärke des Geräts - dank dem systemweiten Equalizer - erhöht werden kann. Selbst die Menüführung kann problemlos umgestellt und angepasst werden. Ein weiterer Vorteil: Apps, die bereits vom Hersteller vorinstalliert wurden, können entfernt werden. Android ist ein offenes System; genau das ist auch der Grund, warum mittels Root-Zugriff selbst Versionen von Android ausgetauscht werden können. Jene Funktion basiert oft auf dem "Android Open Source Project" - auch AOSP genannt. AOSP bietet zahlreiche Möglichkeiten, welche jedoch vom Standard-System gar nicht vorgesehen sind. Der Entwickler des ROM Cooker - ROMs - kann mit diesen Veränderungen eigene Schwerpunkte setzten, sodass einerseits eine Verbesserung der Akkulaufzeit oder auch ein deutlicher Anstieg der Geschwindigkeit gegeben sein. Mitunter können sogar alternative Bedienkonzepte erstellt werden. Wer Custom-ROMs installieren möchte, muss keinen Root-Zugriff haben; man benötigt jedoch einen entsperrten Bootloader.
Die Root-Rechte werden mittels Apps (SuperSU oder auch Superuser) geregelt. Das bedeutet, dass Apps, die sogenannte Root-Rechte fordern, nur durch spezielle Apps manuell freigegeben werden können.

Nachteile der Root-Rechte unter Android

Doch es gibt nicht nur Vorteile; das Rooten des Systems bringt auch Gefahren mit sich. Wichtig ist, dass sich der Anwender mit den Nachteilen befasst, bevor er etwaige Veränderungen vornimmt. Denn ein Fehler kann bereits das Gerät zerstören; hier spricht man vom "Bricken". Wobei einerseits auch hier Unterschiede gegeben sind. Die Hersteller unterscheiden nämlich zwischen einem "Soft-Brick" und dem sogenannten "Hard-Brick". Während ein "Soft-Brick" nichts anderes als ein klassischer Software-Fehler ist, der in weiterer Folge das Smartphone nicht mehr einwandfrei starten lässt, kann der "Hard-Brick" das Smartphone derart zerstören, dass überhaupt kein Zugriff mehr gegeben ist und das Gerät nicht mehr repariert werden kann. Der "Soft-Brick" kann - wenn eine neue Firmware auf das System geladen wird - behoben werden. Der "Hard-Brick" bringt jedoch eine 100%-ige Zerstörung mit sich.
Natürlich steigt auch die Gefahr von Malware. Das Android-System ist offen und somit leichter anfänglich für Fremdsoftware. Auch wenn etwaige Root-Rechte erst manuell freigegeben werden müssen, können unachtsame Zustimmungen dafür sorgen, dass sich eine Malware in die Root-App einschleust.

Der Unterschied zwischen Garantie und Gewährleistung - welche Leistung verliert der Kunde?

Natürlich verliert der Kunde seine Garantie, wenn er mittels Root-Zugriffe das Android-System verändert. Jedoch bedeutet das nicht, dass die Gewährleistung verlorengeht. Unter der Gewährleistung wird nämlich eine gesetzliche Pflicht verstanden, welche der Verkäufer immer einhalten muss, sofern der Käufer etwaige Mängel am Gerät feststellt, die nicht erst durch den Gebrauch entstanden, sondern bereits vor dem Kauf vorhanden waren. Bei der Garantie handelt es sich jedoch um eine freiwillige Leistung des Verkäufers. So garantiert der Verkäufer - für einen bestimmten Zeitraum - eine Funktionsfähigkeit des Geräts. Tritt daher ein Defekt auf, der nicht vor dem Kauf, sondern im Rahmen der Verwendung auftrat, greift die Garantie. Führt der Nutzer den Defekt jedoch selbst zu, da dieser mittels Rooten entstand, verweisen viele Hersteller auf den Verlust der Garantie.

Können die Spuren verwischt werden?

Wer sein Gerät - welches auf Grund des Root-Vorganges einen Defekt erlitt - an den Hersteller zurückschickt, sollte daher sicherheitshalber alle Hinweise verschwinden lassen. Es gibt alternative Systeme wie Paranoid Android oder auch CyanogenMod; mit diesen Programmen ist es möglich, dass das System auf die neueste Version von Android geupdatet werden kann und etwaige Spuren, die darauf schließen lassen, dass es sich um einen Root-Fehler handelt, zu 100 Prozent vernichten.

Ein weiterer Tipp: Bevor das Android-System gerootet wird, sollte ein Backup des Systems angelegt werden.

Die Vor- und Nachteile im Überblick

Vorteile Nachteile
Systemeinstellungen ändern / hinzufügen Möglicher Garantieverlust (Gewährleistung bleibt erhalten)
Löschen von vorinstallierten Apps Gefahr von Malware mit Rootrechten
Komplett-Backups möglich Gefahr eines Soft-, Hardbricks (im schlimmsten Fall die Zerstörung des Gerätes)
CPU Übertaktung (Leistung des Smartphones steigern)
Android Oberfläche beliebig anpassen
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